ERWIN  A. R.  LEDER                                                              

HERBERT BOECKL WEG 1/61                                                                               

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PROJEKTIDEE JUGENDHAUS BOHMANNHOF - JUMBO

 

 

Der zuvor vorerst oftmals angezweifelte, belŠchelte und wenig ernst genommene im September 2003 eršffnete Ingeborg-Bachmann-Park stellt sich als eine positive praktische Innovation fŸr alle Generationen seines Umfeldes heraus, die es nunmehr Ð wie irgend mšglich Ð fortzusetzen gilt. Es geht nŠmlich einmal mehr endlich vor allem um diejenigen, die von uns abhŠngig sind, oftmals hilf- und schuldlos allein gelassen und daher arm an Perspektive geworden: um die Jugend unseres Umfeldes, also eine Form unserer eigenen unmittelbaren Existenz und Zukunft.

 

 

FAKTEN

 

Seit Jahren und Jahrzehnten beobachten wir in unserem eigenen Unfeld (scheinbar hilflos) Folgen eines ãfamiliŠren Getto-DaseinsÒ: eine gro§e Anzahl Kinder und Jugendlicher, die praktisch (auf Grund mangelnder wirtschaftlicher u/o psycho-sozialer familiŠrer VerhŠltnisse) minder- oder unbetreut ihr Freizeitdasein, das heute bedauerlicherweise allzu oft einem Arbeitslosen-Dasein gleichkommt, dahinfristen. In einer materiell verhafteten doppelmoralischen Gesellschaft stellt sich naturgemЧ auf Dauer die Sinnfrage, aber vor allem auch bei den Jugendlichen selbst, die ihren erwachsenen ãVorbildernÒ wie Eltern, Lehrern und Umfeld allzu oft nicht folgen kšnnen und daher auch nicht wollen. Frustrierte junge Menschen mit all dem natŸrlichen Riesenpotential an Energie, das ihrer Entwicklung dienen soll, verfallen aus Mangel an liebevoller Zuwendung in ein mechanisches Leben von GleichgŸltigkeit und Lethargie, die sich in mehrfacher Hinsicht fŸr sie selbst und ihr Umfeld zerstšrerisch auswirken muss, nŠmlich in Form von Unachtsamkeit, GefŸhllosigkeit, Drogenkonsum und erhšhter Gewaltbereitschaft.

 

Der Vorfall Stiege 60 lt. August Swoboda ist kein Einzelfall und lŠsst sich weder durch Belehrungen noch durch Polizeigewalt beheben. Wir selbst kennen Šhnliche Situationen aus unserer Jugendzeit, wissen aus eigener Erfahrung, dass zudem derlei Dingen einfach ihren Lauf nehmen zu lassen die Situation nur verstŠrken und verschlechtern kann. Noch ist Wien eine der sichersten StŠdte, doch die Welt gerŠt aus den Fugen Ð und durch wen sonst, als durch unsere eigenen Kinder, denen Perspektive zu vermitteln wir offensichtlich nur schwer imstande sind.

 

Wer aber, wenn nicht wir selbst, ist verantwortlich fŸr die Perspektivelosigkeit, die Visionslosigkeit unserer Kinder, wenn die Kinder doch zu allererst in unseren Verantwortungsbereich geboren wurden? FŸr die Jugend selbst ist freilich durch unsere Obsorgepflicht erst in zweiter Linie die Findung ihrer Perspektive mšglich. Wir kšnnen die Verantwortung nicht allein auf andere abschieben (Politik, Wirtschaft), denn zu allererst sind wir diejenigen, die fŸr eine breite Palette von Entfaltungsmšglichkeiten Sorge zu tragen haben, die wir unseren eigenen Kindern angedeihen lassen wollen, und zwar die bestmšglichen fŸr das Beste, das wir haben, solange es fŸr uns greifbar ist.

F…RDERUNGSBEREICHE

 

Generell werden bis heute gefšrdert GesellschaftskonformitŠt, Konsum- und Konkurrenzdenken und dadurch leider auch verminderte KritikfŠhigkeit der User dieses Systems, Mittel dazu sind ein Wust an Bildungswissen, Konzentration, HŠrte, Zielstrebigkeit, Karrierewille und Streben nach Machtpositionen, was, in emotionalen Bereichen oft auf sich allein gestellt, zu †berforderung, Scheuklappen-Perspektive, AbhŠngigkeit, Angst, Frustration und Vereinsamung fŸhrt, in Folge dann zu verschiedenen Formen von Ausbruchsversuchen - erst aus Familie und/oder Bildung, Konsumflucht, dann zum Bruch mit dem Gesetz usw., wir kennen das ja alles.

 

Generell zu wenig gefšrderte Bereiche in unserer Gesellschaft sind bis heute gegenseitige Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, MitgefŸhl und Hilfsbereitschaft. Aus der Vergangenheit mŸssen wir lernen: die Erziehung speziell junger Menschen darf kein Belehren sein, sondern muss anregen Ð vor allem zum Miteinander, denn ohne BeziehungsfŠhigkeit ist ein kreatives Leben nicht mšglich, Isolation fŸhrt zu Trennung, Konflikt und Gewalt. Daher ist es unsere Aufgabe, dazuzuschauen, der Jugend vor Ort praktische Mšglichkeiten zu bieten, sich erst durch uns und eines Tages aus sich selbst heraus entwickeln zu kšnnen. Es ist wie bei vernŸnftiger Entwicklungshilfe: ein Weg darf einem Volk nicht vorgegeben, aufgezwungen werden, das Volk muss selbst in die Lage kommen, sich zu bewegen, sonst gerŠt es in AbhŠngigkeiten, die unweigerlich zu Konflikten fŸhren.

 

Was hei§t das: Fšrderung der Selbsterkenntnis durch Achtsamkeit zu sich selbst und zum gesamten unmittelbaren Umfeld, damit nŠmlich Fšrderung der Herstellung praktischer BeziehungsfŠhigkeit, den Dingen, wie sie sind, ins Auge zu sehen und nicht davor zu flŸchten, zu lernen nŠmlich, sich mit der RealitŠt auf unmittelbar achtsam-kreative Weise zu konfrontieren. Diese Aufgabe muss die PrŠmisse fŸr eine kŸnftige Jugendarbeit in einem Umfeld sein, das sich durch Sinnes- und Perspektiveverlust wie Gewaltbereitschaft auszeichnet.

 

Nur wer Vertrauen bekommt, gibt auch welches zurŸck. Jugendliche sollten beim Planen, Bauen und Einrichten selbst dabei sein nicht nur dŸrfen, sondern erwŸnscht sein. Junge Menschen haben einen scharfen Geist, sie wissen selbst am besten, was sie und wie am besten brauchen. Nach der Eršffnung des Ingeborg-Bachmann-Parks wird offensichtlich, wie sehr die Jugend die dort gegebenen Mšglichkeiten zu nutzen gewillt ist, das ist eine Tatsache. Doch war «s das gewesen? Ein paar SpielplŠtze Ð mehr haben wir nicht zu bieten? Und was wird nun in der kalten Jahreszeit? In dieser Herausforderung sehe ich eine gro§artige Chance, die genŸtzt werden sollte: die jungen Leute sind gewillt, derartige Innovationen anzunehmen und vernŸnftig zu nŸtzen. Ein Jugendhaus mit einem modernen offenen vertrauensbildenden und Talente fšrdernden Erziehungs- und Betreuungskonzept ist eine mšglicherweise fŸr viele andere Siedlungsbereiche Beispiel gebende neuartige praktische Innovation, die zwar kurzfristig Einsatz und Geld kostet, langfristig jedoch mehr als zurŸck kommen wird. …sterreich ist trotz Wirtschaftsflaute und Sparpaket noch immer eines der reichsten LŠnder der Welt. Wohin investieren wir unser Geld? Wer nŠmlich an der Jugend spart hat mit Sicherheit falsch investiert, die Zukunft wird es zeigen. Gut gemeinte RatschlŠge und Belehrungen sind als Erziehungs- und Bildungsma§nahmen lŠngst veraltet. Wenn junge Menschen praktischen Halt und Vertrauen finden und sich freimŸtig schšpferisch ausprobieren kšnnen, wird sich das naturgemЧ riesig kreative junge Potential jedes Einzelnen spŠter umso fšrderlicher fŸr die ganze Gemeinschaft und sich selbst auswirken kšnnen. Nach der Erfahrung der letzten Jahrzehnte genŸgt es eben nicht, zu meinen ãdas kennen wir alles, das wissen wir bereitsÒ usw.: die gebotene Alternative ist zweifellos eine unausbleibliche gemeinsame Anstrengung mit der Perspektive, die auch fŸr das Jugendhaus gilt: ein praktisches Miteinander jetzt fŸr morgen.

JUMBO - DAS JUGENDHAUS BOHMANNHOF

 

vorwiegend fŸr junge Leute im Alter von 6 bis 27 ist unter anderem ein Projekt zur Fšrderung praktischer Mitverantwortlichkeit im obigen Sinne verwaltet von geschultem Personal wie selbst verwaltet. Im Ansehen des Ingeborg-Bachmann-Parks drŠngt sich meiner bescheidenen Auffassung nach ein Erdenhausobjekt auf, das in folgende praktische Bereiche gegliedert ist:

 

 

Aufenthaltsbereich

gemŸtlicher Gemeinschaftsbereich mit kleiner BŸhne, bequeme Mšbel, Billard, Tischfu§ball, Ausschank zu erschwinglichen Preisen, Audio-Anlage - Abspielen selbst mitgebrachter Musik nach Anmeldeliste mšglich, kleines TV-GerŠt in Extraraum, kein Nikotin, kein Alkohol, keine sonstigen Drogen

 

Betreuungsbereich

            umfasst die Hausbetreuung fŸr die verschiedenen Hausbereiche selbst,

Zuwendung und psychologischer Beistand durch entsprechend geschulte Jugendbetreuer und allfŠllige Eltern, Streetworker und Drogenberater,

            Animatoren, Sport- & kŸnstlerische Betreuer

 

Die BenŸtzung folgender Bereiche muss/soll durchaus nicht unentgeltlich erfolgen, etwa EinzelbenŸtzung 50 Û-cent/Halbtag, oder monatl. BenŸtzungspauschale etwa auf Vereinsbasis fŸr einen Bereich oder alle Bereiche - Mittellose erhalten ErmЧigungen oder Fšrderungen gegen entsprechenden Nachweis - BenŸtzung auf eigene Verantwortung und Gefahr, versch. Versicherungsangebote mšglich

 

Sportbereich

kleine Halle fŸr Hand-, Basket- und Fu§ball, kleiner Raum mit Wandleitern, Reck, FitnessgerŠten etc., Garderoben, Dusche, WC

 

Musikbereich

ventilierte kleine RŠume in der untersten Etage, Instrumentenverleih, ein Raum mit Gesangsanlage, ventilierte versperrbare zu mietende ProberŠume

 

TV- und Filmbereich

            zum gemeinschaftlichen Sehen von Filmen (DVDs und Videos)

 

Bereich Darstellende Kunst

Bibliothek und Lesebereich, ventilierter Probenraum ca. 7x7m zum Vorbereiten von Theater- und Tanzevents, Garderobe, Dusche, WC

 

Bereich Bildende Kunst - Atelierbereich

Materialstelle, ventilierter Raum zum Malen und Zeichnen mit entsprechenden GerŠtschaften, Raum zur vorŸbergehenden Aufbewahrung eben entstehender Werke, evtl. auch Bildhauerei- & Ausstellungsraum

 

 

 

Erwin Leder, 2003-10-30