DER SECHSTE AUGUST
von Juno Sylva Englander Ó
Frauen in Aktion/Global Mothers
für Umwelt und Frieden
Damals: Der sechste August vor bald sechzig Jahren. Ein Tag in Hiroshima. Eine Bombe fällt vom Himmel. 100,000 Menschen tot – von einem Augenblick
zum anderen. 145,000 weitere Menschen
sterben als Folge der Bombe bis Ende des Jahres.
Drei Tage nach diesem
6. August sterben die Menschen von Nagasaki. Ihre Körper verbrennen,
gleichzeitig mit der Stadt, um genau 11 Uhr 2 Minuten.
Heute: Abertausende nukleare Waffen wurden seither
entwickelt und es kamen „neue“ Länder mit Atomwaffen zu den „alten“ hinzu. In der Welt seit dem 11. September 2001
erwägen die USA und Großbritannien sogar öffentlich die Möglichkeit in Kampfhandlungen
nebst den „üblichen“ Grausamkeiten, hervorgerufen durch „konventionelle“
Waffen, auch den Einsatz „kleiner“ nuklearer Waffen, sogenannter Mini-Nukes.
Hier werden Türen zur Kammer
des Schreckens, die längst geschlossen geglaubt waren, neuerlich geöffnet. Die
Grenzen der bisher gültigen Normen werden ohne Rücksicht auf die Konsequenzen
überschritten. Für jedwedes Land, welches nukleare Waffen besitzt, könnte diese
Einstellung der USA und Großbritanniens als „Aufmunterung“ und politische
Akzeptanz zum Einsatz auch ihres Nuklearwaffenarsenals verstanden werden. Die
Saat für ein zukünftiges Armageddon, wie damals, wurde bereits gesät. Und die
Verantwortung damals wie heute tragen die einstigen Alliierten, die USA und
Großbritannien.
Diese verabscheuungswürdige
Immoralität, nur daran zu glauben, durch den Einsatz von – auch nur begrenzten -
Nuklearwaffen eine positive Lösung für unsere Gesellschaft zu erzielen, zieht
die Welt zurück zu diesem dunklen und tödlichen Abgrund, den wir während des
Kalten Krieges vor Augen hatten. Die Nationen dieser Welt waren doch schon in
die andere Richtung unterwegs! Die
Zerstörung nuklearer Waffen war doch voll im Gang!
Die USA
sind nunmehr plötzlich ein Land geworden, welches man stoppen muss, anstatt
eines, welches die Aggression anderer Staaten jahrelang stoppen wollte.
Die USA - Heute: Der
CTBT-Vertrag (umfassendes Verbot von Atomwaffentests) wurde unterzeichnet aber
nicht ratifiziert. Eine neue Fabrik zur
Herstellung von Plutoniumteilen für A-Bomben soll errichtet werden. Die seit 1988 eingestellte Produktion von
Tritium (radioaktives Wasserstoffisotop zur Herstellung von H-Bomben) soll
wieder aufgenommen werden. Fachleute für
unterirdische Tests sollen wieder ausgebildet werden.
Ein Thriller? Ein Science-Fiction Film? Nein.
Es ist die Realität unserer jetzigen Zeit. Es ist die Welt unserer Kinder.
Jetzt: Und es
geht weiter. Mini-Nukes – dieser
„lieblich“ klingende Name für tödliche Waffen.
Sie haben eine „geringe“ Sprengkraft von ca. 5 Kilo Tonnen TNT. Beinahe 1500 Stück lagern im aktiven Arsenal
der USA.
Und weiter. Deep-Penetration
Bombs. Diese können durch Schichten
festen Materials eindringen. An die 11
Stück lagern sogar in Deutschland.
Mit Sicherheit hat es für diese
Art von Bomben keine Atomwaffentests gegeben.
Sogar bei einer unterirdischen Explosion von 10KT TNT in einer Tiefe von
ca. 300 Metern kann unerwartet Radioaktivität freisetzbar werden. Die Bombe von Hiroshima hatte 20 KT.
Und
weiter: Waffen für Höhlensysteme wurden
schon in Afghanistan eingesetzt. Eine
Staubwolke implodiert und entzieht der Umgebung den gesamten Sauerstoff. Ein atmendes Wesen gibt es nachher nicht
mehr.
Es stockt einem der Atem:
. Mörderische Waffen der Jetzt-Zeit und kein
Videospiel!
Nach wie vor sterben im Irak
die Menschen aufgrund der Folgen des ersten Golfkrieges und bald werden
Abertausende aufgrund des zweiten Golfkrieges in demselben Land sterben. Oder war dieser Krieg nie vorbei? Es wurde ja ständig gebombt. Und wie viele Bomben fielen dieses Jahr vom
Himmel? Was waren das für Bomben? Wie oft waren wir zur Untätigkeit verdammt
und sahen verzweifelt zu, wissend, dass hier Menschen sterben?
Es liegt an uns, den Menschen
dieser bedrohten Welt, aufzustehen und NEIN zu sagen. Vor Monaten hatten wir es weltweit geschafft:
Millionen gingen auf die Strassen um gegen das Töten zu demonstrieren. Wir haben unsere Stimmen erhoben. Gegen
Krieg. Gegen Bomben Tun wir es wieder
und geben wir nicht auf. Denn „eine andere Welt, als diese Erde, gibt es nicht“.
Erhalten wir sie uns, in dem wir uns aktiv gegen den Irrsinn des Krieges und
gegen die Verbohrtheit einer Handvoll Politiker und skrupelloser
Geschäftemacher einsetzen.
Juno Sylva Englander
Vorsitzende
Wien, 20. Juli 2003