Gemeinschaft
und Kondition
(lediglich einige Gedanken zu so etwas wie „Partnerschaft“)
Unter
Konditionierung versteht der Mensch im Grunde seine menschliche
Selbstbestimmung aus eigener Sicht, die im Kern aus einer Kollektion eigener
Erfahrungen, Wünschen, Visionen und Ideen, und somit erst aus den daraus
hervorgegangenen Bildern und Vorstellungen zu einem eigenständigen Weltbild für
den jeweiligen Menschen wurde, der für sich selbst somit seine kleine eigene
Welt schuf, die er, um nicht seiner dadurch selbst produzierten Einsamkeit zu
entschlüpfen, mit anderen teilen will, um so eine Ge-M-Einsamkeit zu schaffen.
Konditionierung lässt sich wohl „erweitern“, jedoch nie ablegen, es sei denn,
das „Selbst“ findet eine Möglichkeit, über seinen Schatten zu springen oder aus
seiner eigenen Haut zu schlüpfen. Es sei damit gesagt, dass, solange das Bewusstsein
nicht erkennt, dass es sein eigener Inhalt ist – und damit absolut begrenzt –
es, um vor der Erkenntnis dieser seiner Begrenzung (was Trennung beinhaltet)
und Abhängigkeit von anderen flieht (was Angst beinhaltet), bis es sich seine
ihm entsprechenden eigenen Sicherheiten, Stützen, Pfeiler aufgebaut haben wird,
um hernach darin im Kreis zu laufen und sie zugleich, aus Angst um Verlust der
eigenen Identität, zu beschützen und zu verteidigen.
Diese
Konditionierung erscheint uns durchaus wie eine Zwiebel, die, um ihres eigenen
Selbstschutzes wegen, eine Schale nach der anderen aufgebaut hat, um im Kern
vollkommen sicher zu sein: „ich bin Professor, meine Karriere ist gesichert,
kein anderer kann mir dazwischenkommen.“
Eine
solche Zwiebel ist im Grunde freilich sehr einsam; was Wunder, dass für sie
etwa eine sinnvolle und sexuell befriedigende Beziehung mit dem oder der „Richtigen“
der Schlüssel zu einem glücklichen Leben sei. Auf der Reise in irgend ein
vorgestelltes Paradies oder Nirwana sucht sie sehr engagiert, bis sie, wie sie
glaubt, einen Menschen findet, der als potentieller Seelenpartner vollkommen zu
ihr passt. Dieser Partner ist im Besitz eines Zaubertranks, der all die Lecks für
ihre Lebenskraft in ihrer „Aura“ stopft. Das Standardprofil dieses noch zu
findenden Lebenspartners umfasst Eigenschaften wie: intelligent, geistreich
spirituell, romantisch, sinnlich sexuell, empfindsam, gut aussehend, aber vor
allem muss er/sie jemand sein, „der mich so schätzt, wie ich bin“.
Nun,
abseits all dieser Konditionierung, auf freier Ebene (wobei Freiheit weder als
Belohnung noch als zu erreichendes gilt, da sie sich aus sich selbst heraus
ergibt ohne Zutun eines „Selbst“, da es sich in Freiheit um ein Selbst handelt,
welches kein Eigeninteresse kennt), die eine solche Zwiebel möglicherweise noch
völlig unentdeckt in sich birgt, funktioniert konditionierte Beziehung ähnlich
wie der Spruch auf einem T-shirt, das mir vor einiger Zeit auffiel: „Eine Frau
ohne Mann ist wie ein Fisch ohne Fahrrad.“
Gehe ich
davon aus, dass diese Welt begrenzter Ausdruck einer „Verwirklichung“ des „Unbeschreiblichen
Unbegreiflichen Unbegrenzten Selbst“ sei - also gleichsam ein Traum des
Unbegrenzten als sein eigenes begrenztes Spiel, eine „Lila“, wie die Inder
sagen - so hat also die QUELLE dieses Traumes im Rahmen des menschliche
Dilemmas dieses romantische Beziehungsideal zur Sicherung in die tiefsten
Bereiche unserer Konditionierung eingepflanzt, um die „Begrenzung“ auf eine
scheinbare Ewigkeit in uns lebendig zu erhalten.
Erwin Leder, 7/2002