Ein solidarisches, dröhnendes Schweigen
für die Kunst und Kultur in Österreich

am 01. Juli 2020, 15:00 Uhr:

 

 

SCHWEIGEMARSCH 2020

der Künstler*innen,

Kulturschaffenden,

Supportarbeiter*innen

aller Sparten und Gewerke Österreichs


Ohne Kunst wird´s still.

 


neue Treffpunkte:

Treffpunkt 1  15:00: Urania - Julius-Raab-Platz - Stubenring - Nebenfahrbahn vor den Ministerien

Treffpunkt 2  15:00: Schottentor - Universitätsring - Nebenfahrbahn Höhe Uni Wien


Gemeinsame Abschlusskundgebung:

Resselpark vor dem Mooreteich bei der Karlskirche, ca. 16:00

 

Corona hat uns gezeigt, dass wir als Kunst- und Kulturschaffende in allen Bereichen eine verlässliche ständige Vertretung mit Budget-Hoheit in der Republik Österreich brauchen: Wir waren die ersten, die durch die notwendigen Maßnahmen des Shutdowns von der Ausübung unserer Tätigkeit ausgeschlossen wurden, und wir sind die letzten, die mit existenzsichernden Entschädigungen bedacht werden. Das darf nicht wieder geschehen.



Denn ohne Kunst wird's still.

 

Ausgerechnet jetzt, in den unsicheren und verunsichernden Zeiten der Coronakrise, stehen Kunst und Kultur hinter allen anderen systemerhaltenden gesellschaftlichen Versorgungsnotwendigkeiten zurück. Das führt geradewegs in eine noch größere Krise als die bestehende. Das betrifft Kunst und Kultur, ihre Mitwirkenden und angrenzenden Bereiche sowie die gesamte Bevölkerung in Österreich.

 

Kunst- und Kulturschaffende müssen von ihrer Arbeit leben können!

 

Es geht nicht darum, GEGEN etwas zu sein, sondern FÜR das Überleben der einzelnen Kunst- und Kulturschaffenden und damit auch FÜR die Garantie der Existenzsicherung und der daraus folgenden künstlerischen Schöpfungskraft einzutreten.

 

Ein klares Bekenntnis zur Finanzierung von Kunst und Kultur in Österreich!

 

Wir Künstler*innen wollen mit unserem großen Schweigemarsch auf unsere durch dieCorona-Pandemie hervorgerufene und trotz in Aussicht gestellter Verbesserungen katastrophale Situation aufmerksam machen. Wir gehen, um die Dringlichkeit unserer Anliegen aufzuzeigen. Zu zeigen, dass unsere persönlichen Existenzen, immer schon prekär, jetzt massivst bedroht sind. Unsere Expertise im Sinne einer Forderung nach Einbeziehung anzubieten. Zu präsentieren, wie reichhaltig unsere schöpferische und individuelle Kreativität ist. Zu demonstrieren, dass wir ein unverzichtbarer Bestandteil des Motors der österreichischen Wirtschaft sind: wenn wir nicht spielen, singen, tanzen, malen, fotografieren, bildhauern, schreiben, dichten, modellieren, designen, formen, erfinden, strahlen, sprühen, erschrecken, erstaunen, verzaubern und verblüffen, dann haben Städte, Regionen und Gemeinden weniger Attraktivität, der Tourismus weniger Anreize, und Österreich verliert seine kulturelle Identität.

 

Ohne Kunst wird´s still!
Ohne uns wird´s still! 


Deshalb fordern wir :
EIN DEUTLICHES ZEICHEN DER SOLIDARITÄT
MIT DER KUNST UND KULTUR IN ÖSTERREICH !

 

DAFÜR GEHEN WIR AM 01.07.2020, 15:00 Uhr in einem SCHWEIGEMARSCH AUF DIE STRASZE
– in einem Schweigemarsch -
denn ohne uns wird´s still,
und es ist schon seit langem alles gesagt.

 

 

Folgende Punkte sollen ohne jede weitere Verzögerung umgesetzt werden:

 

● Garantiertes Mindesteinkommen zumindest in der Höhe der Armutsschwelle, aktuell € 1.286.- netto, 12x im Jahr für einen Ein- Personen-Haushalt, EPU und Neue Selbständige, sowie äquivalente Garantien für alle unselbständig im Kunst- und Kulturbereich Beschäftigten.

● Kompensation aller Einnahmenausfälle seit März 2020.

● Ein Künstler*innen-Sozialversicherungsgesetz (KSVG) bzw. eine Sozialversicherung, die zu den zeitgenössischen Erwerbsrealitäten passt und auch das Zusammenspiel von unselbständiger und selbständiger Tätigkeit mit Phasen der Erwerbslosigkeit berücksichtigt.

● Sofortige, dauerhafte Verdoppelung des Budgets für Kunst und Kultur auf 1% des BIP.

● Festlegung und Sicherung von Mindestgagen und Mindestbezügen (Kollektivverträge, Fair Pay) sowie Mindesthonorare über Rahmenverträge im neuen Urhebervertragsrecht.

● Dauerhafte Reduktion der Umsatzsteuer auf Umsätze von Kunstschaffenden auf5%.

● Einrichtung eines verlässlichen, ständigen und funktionierenden Entschädigungsfonds für außergewöhnliche Zeiten wie Pandemien.

● Ausfallshaftungsfonds für Veranstalter*innen und Liquiditätsversiche-rung für EPU's und Neue Selbständige.

● Anhebung des Anteils von Musik aus Österreich im Radio auf den Europastandard von 42 Prozent und Abgeltung aller Rechte bei Onlinevermarktungen.

● Umsetzung und konsequente Beachtung der UNESCO Konvention für kulturelle Vielfalt in allen Kontexten, auch im sogenannten Fremdenrecht und dessen Durchführungspraxis. Mobilität statt Barrieren!

● Ein MINISTERIUM für KUNST und KULTUR!

● UMGEHEND INTERMINISTERIELLE VERHANDLUNGSGRUPPEN zur begleitenden Umsetzung der genannten Forderungen!

 

Vor 22 Jahren fand an exakt diesem Datum auf der Wiener Ringstraße der UMZUG DER MARODEN statt. Damals wurde für ein Künstlersozialversicherungsgesetz gekämpft. Nach zähen Verhandlungen wurde das Künstlersozialversicherungsfondsgesetz (KSVFG) beschlossen, welches bis heute verbesserungswürdig geblieben ist.

 

Wir laden Sie und euch alle herzlich zu diesem SCHWEIGEMARSCH am 01.07.2020, 15:00 Uhr,

und zu Dialog und Gesprächen ein und freuen uns

auf Ihre, deine und eure Unterstützung:

 

 

Handeln wir solidarisch!
Unterstützen wir einander!
Helfen wir uns gegenseitig!

 


Wir, dieser unglaublich bunte, lebendige Haufen an wunderbar Verrückten, atemberaubend Schrägen, penibel Präzisen, planvoll Strategischen, herausragenden Professionist*innen, international gefeierten Kunst- und Kulturschaffenden -


brauchen dich, wir brauchen Sie!
Werde freudvolle*r Kumpan*in,
unterstützende*r Begleiter*in,
verschworene*r Kompliz*in !

Dafür innigsten Dank!

 


Setzen wir gemeinsam ein solidarisches, unübersehbares Zeichen
am 01. Juli 2020, 15:00 Uhr

 


SCHWEIGEMARSCH 2020

Ohne Kunst wird's still

 

 

neue Treffpunkte:

Treffpunkt 1  15:00Urania - Julius-Raab-Platz - Stubenring - Nebenfahrbahn vor den Ministerien

Treffpunkt 2  15:00Schottentor - Universitätsring - Nebenfahrbahn Höhe Uni Wien


Gemeinsame Abschlusskundgebung:

Resselpark vor dem Mooreteich bei der Karlskirche, ca. 16:00

 

 

 

https://schweigemarsch2020.org 

https://www.facebook.com/groups/schweigemarsch2020/ 

 

 

 

 

Wir danken unseren Supporter*innen 

 

ASSITEJ - JUNGES THEATER ÖSTERREICH

 

 

 

 

Organisation SCHWEIGEMARSCH 2020 | https://schweigemarsch2020.org  | This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.  
Eva Math | Christin Amy Artner | Erwin Leder | Willi Hejda | Florian Deutsch | Gerhard Ruiss

 

 

 

PS:

 

Alles nur Theater? Soll Kunst schweigen?

Das Theater um die Kunst:
Was ist überhaupt Kunst?
Darf man von der Kunst leben?
Ist ein Hungerkünstler noch modern?
Wie viel Politik verträgt die Kunst?
Eintritt oder Mindestsicherung?
Marschieren, rebellieren, ignorieren?
Rund um die Kunst. Leopold Bauer, Unterhaltungshandwerker, frägt (aus) seine kunstvollen Gäste.

Der Link zu dieser Pfingstsonntag-Matinee:
https://www.facebook.com/marialeobauer/videos/563474537685623/ 

 

 

DIE BLAUE STUNDE
Sendung von Tom Niesner und Gunkl Günter Paal 

auf Radio ORANGE 94.0

mit Erwin Leder (act., dir., dm.) und Franz A. Langer (comp., kb., voc.)

Tom Niesner: "Die Juni-Sendung steht ganz im Zeichen des SCHWEIGEMARSCHES am 1. Juli 2020. Einer der Oranisatoren, Erwin Leder ist bei uns zu Gast. Unterstützt wird er durch Franz Alexander Langer und Gunkl, der nach der langen 'Auszeit' endlich wieder persönlich anwesend sein konnte.
Eine WICHTIGE Message, ein WICHTIGES Anliegen - es geht uns ALLE an! Bitte unterstützen sie uns!"

Franz Alexander Langer: "Was macht man ohne Engagement? Richtig! Man macht Radio. Und das in der Sendung "Die blaue Stunde" mit Tom Niesner und Gunkl. Heute war der bezaubernde Erwin Leder dabei. Und wir hatten viel Musik im Gepäck.
Was macht die blaue Stunde so reizvoll? Ganz einfach: hier treffen verschiedenste Leute aufeinander und plaudern. Und gerade in dieser Zeit ist das so wichtig. Denn es gibt einen Austausch - kulturell, humanistisch und gesellschaftlich. Es herrscht freie Meinungsäußerung und blühende Kreativität. Was will man mehr.
Danke, dass ich dabei sein durfte, dass ich den ersten inoffiziellen Mix von Aschanti - Wiener a cappella Genuss spielen durfte und dass wir über Generationen hinweg Gemeinsamkeiten finden konnten. Alleine die Überschneidung mit der Broadway Bar und Bela Koreny war wunderschön. Danke an Tom Niesner, Erwin Leder und Gunkl für diesen traumhaften Tag. Und natürlich auch Margarete Steiner für die Terrassen-Plauderei!"

 

 

„Sein oder Nichtsein; das ist hier die Frage:
Obs edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern
des wütenden Geschicks erdulden oder,
sich waffnend gegen eine See von Plagen,
durch Widerstand sie enden? Sterben – schlafen –

Daß wir die Übel, die wir haben, lieber
ertragen als zu unbekannten flieh´n.
So macht Bewusstsein Feige aus uns allen;
der angebor´nen Farbe der Entschließung
wird des Gedankens Blässe angekränkelt,

und Unternehmen, hochgezielt und wertvoll,
durch diese Rücksicht aus der Bahn gelenkt,
verlieren so der Handlung Namen. …“
(Hamlet (W. Shakespeare), 3. Aufzug, 1. Szene)

 

 

 

 

 

 

 

Corona-Krise und darstellende Kunst in Österreich:

ein Theater mit dem Theater

 

Die Krise zeigt auf, was in der gesamten Branche seit langem bekannt ist. KUNST UND KULTUR IN ÖSTERREICH NEU DENKEN und umsetzen, aus Fehlern zu lernen tut Not: immerhin hat Kunst und Kultur in Österreich dem Land international zu großem Ansehen verholfen, erfüllt unsere Herzen, ist ein unentbehrlicher Spiegel unserer Lebensweise ebenso wie ein unerlässlicher Wirtschaftsfaktor auch für viele andere Bereiche. Doch fast die gesamte österr. Kunstszene war z.B. nicht in der Lage, Reserven aufzubauen. Die massiven Missstände in der gesamten Branche, die sich über viele Jahre ausgebreitet haben, müssen jetzt durchforstet und aufgezeigt und aus dem Gelernten Konsequenzen gezogen werden. Das ist bei einigem politischen Willen möglich, auch wenn man als Kunstschaffender das Gefühl haben muss, oft irgendwo an letzter Stelle gerade noch Erwähnung zu finden.

Im österreichischen Kunst- und Kulturbereich sind insgesamt wenigstens 140.000 Kunstschaffende tätig, im TV wurden sogar 180.000 kolportiert. Allein die so gen. Freie Szene der darstellenden Kunst in Wien umfasst derzeit mindestens ca. 10.000 Künstler_innen, welche altersgemäß eine ganze Generation zwischen 25 bis 70 Jahren umspannen. Der durchschnittliche Brutto-Jahresumsatz einer/s Künstler_in beträgt zwischen 15.000 - 24.000 Euro und entspricht in etwa der Hälfte der jährlich anfallenden Kosten eines durchschnittlichen Angestelltenverhältnisses in Österreich.

Das Update der Studie zur sozialen Lage der Künstler_innen 2018 zeigte auch, dass sich die prekäre Situation von frei beruflichen Künstler_innen im vergangenen Jahrzehnt wenig verändert hat. In Wirklichkeit sehen wir aus der Praxis, dass diese Schieflage seit bereits 25 Jahren besteht. Weder das KSVFG noch die Renovierung des TAG konnten wesentliche Verbesserungen in der Freien Theater-Szene hervorrufen. Lohngerechtigkeit und soziale Absicherung von professionell arbeitenden Künstler_innen muss, sofern eine Förderung durch die öffentliche Hand erfolgt, gewährleistet sein. Das betrifft das durchschnittliche Jahreseinkommen einer/s einzelnen Künstler_in, das Familieneinkommen sowie die Absicherung in der Pension. Eine Vollzeitbeschäftigung in der freien Szene ist nicht möglich.

Insgesamt ist Kunst und Kultur notwendige Nahrung für eine Gesellschaft, welche nicht abstumpfen und verrohen möchte; das gilt für alle, vor allem aber für intakte demokratische Gesellschaften. Insbesondere für Österreich ist sie eine Basis und auch wirtschaftliche Wertschöpferin, wie wir wissen. Kunstarbeit jeden Genres versteht sich zudem als unerlässlicher Beitrag zur Bildung und Menschwerdung. Ohne den gesunden Nährboden einer breiten Basis gibt es keine gesunde Hochkultur. Mit der arbeits- und sozialrechtlichen Diskriminierung freier Künstler_innen muss Schluss sein: auch frei berufliche Künstler_innen haben Recht auf gerechten Lohn und Versicherung.

 

Gerechte Arbeitsbedingungen, reguläre Dienstverhältnisse, gerechte Verteilung von Fördermitteln

Freiberufliche Künstler/innen der Basiskultur liefern wertvolle Basis legende Kulturarbeit, arbeiten ebenso hart wie andere Menschen und dürfen nicht als Randerscheinung behandelt werden. Wir fordern Kollektivverträge im Freien Bühnen- und Filmbereich mit realistischen, fairen Einstiegsgagen bei gesetzeskonformen Dienst- und Versicherungsverhältnissen sowie menschenwürdigen Arbeitsbedingungen, weiters die Aufstockung und gerechte Verteilung von Subventionen für alle Bühnen aus allen Bereichen und eine erhebliche Aufstockung der Filmförderung. Dazu muss der Bund eine reale Basis legen. Förderungen müssen die Einhaltung von arbeitsrechtlichen Bestimmungen ermöglichen. Für alle Beschäftigungsverhältnisse im darstellenden Bereich muss Rechtssicherheit gelten.


Wir brauchen arbeits- und sozialrechtlich gerechte Verteilung von Fördermitteln.
Förderungspolitik ist zwar kein Wunschkonzert, aber es ist untragbar, dass Kunstarbeiter_innen während ihrer Arbeit von AL-Geld, Notstandshilfe (wenn überhaupt Anwartschaft vorhanden) oder „Bedarfs orientierter Mindestsicherung“ leben sollen.
Fördermittel müssen zumindest an Einstiegs- oder Mindestgagen und verpflichtende Sozialversicherungsverhältnisse gebunden sein. Das wird in einem künftigen KV für die Freie dramatische Szene unbedingt zu berücksichtigen sein.
Fördermittel der öffentlichen Hand dürfen nur unter ethisch vertretbaren Standards und müssen gagengebunden vergeben werden, deshalb

 

Schluss mit dem Kaputtsparen, Schluss mit der Scheinselbständigkeit

Die Einkommen freiberuflicher Künstler/innen liegen seit 20 Jahren im Dumpingbereich. Weder das KSVFG noch die Renovierung des Schauspielergesetzes in ein Theaterarbeitsgesetz konnten die prekären Zustände verbessern. Künstler/innen werden nach wie vor in Arbeitsverhältnisse engagiert, die sich in gesetzlichen Graubereichen bewegen, welche sie, um zu überleben, anzunehmen gezwungen sind. Auch im Filmgeschäft und TV-Geschäft steigt das Dumpingniveau. Von „Filmwirtschaft“, die ihren Namen auch verdient (75 Mio. € auf alle Töpfe aufgeteilt), kann in Österreich nach wie vor nicht die Rede sein. Das österreichische Kulturbudget: ein seit Jahrzehnten ungeliebtes, am Rande dahin vegetierendes vernachlässigtes Kind. Es belief sich 1995 noch auf 0,98 % des BIP; 2018 auf 0,48% des BIP (386 Mrd. €). Tatsächlich belief sich die Förderung des Bundes 2018 für alle Kunst- und Kultursparten lediglich auf 456 Mio., d.h. 0,12% d. BIP (BMF, Statistik Austria). Die Aufstockung des gesamten Kunst- und Kulturbudgets auf wenigstens 1% d. BIP ist angesichts dessen, was dieser Bereich für Österreich an Wertschöpfung leistet und bringt (7 Mrd. € alleine die Kunstszene, 15,3 % des BIP die gesamte Freizeitwirtschaft – Statistik Austria), und welches Ansehen er dem Staat bringt, eine längst überfällige und not-wenige Forderung! Für Wien fordern wir ebenso wie Kulturstadträtin Veronica Kaup – Hasler eine Aufstockung des Kunst-/Kulturbudgets von 1,68 % auf mindestens 2 % des bisherigen Budgets, damit z.B. das Theaterarbeitsgesetz (TAG) auf allen Bühnen praktisch Anwendung finden kann!

 

Renovierung des Künstler/innen-Sozialversicherungsfondsgesetzes (KSVFG) in ein KSVG

Wir fordern ein echtes KSVG bzw. eine Sozialversicherung, die zu den zeitgenössischen Erwerbsrealitäten passt und auch das Zusammenspiel von unselbständiger und selbständiger Tätigkeit mit Phasen der Erwerbslosigkeit berücksichtigt.

Zumindest aber fordern wir die überfälligen Weiterverhandlungen über eine Novelle des Gesetzes, die sicherstellt, dass Künstler/innen wirklich sozial abgesichert sind:
* der jährliche Zuschuss muss allen SVA-pflichtversicherten selbständigen Kunstschaffenden zustehen
* Erweiterung der Definition von Künstler/in um „Interpretation“ und „Lehrtätigkeit“. Künstler_innen mit nachweislichem Berufsabschluss oder nachweislich langjähriger Berufserfahrung müssen auch ohne Kurienbewertung als Künstler_innen anerkannt werden.
* Reform der KSVFG-Meldepflicht
* Streichung der Mindesteinkommensgrenze aus künstlerischer Tätigkeit als Anspruchsvoraussetzung für einen Zuschuss aus dem KSVF
* Keine rückwirkenden Einflüsse bei Nichterreichen der Mindesteinkommensgrenze
* Ein KSVG muss ähnlich wie das Modell der deutschen Bayerischen Künstlerkasse die Möglichkeit zur Pensionsversicherung beinhalten (dort bei monatl. Beitrag von € 40.- möglich).

 

Verbindliche Rechtskunde an allen Schauspielschulen

Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung werden junge Schauspieler/innen auf den freien Markt geworfen meist unwissend, was arbeits- und sozialrechtlich auf sie zukommt, und dass die überwiegende Mehrheit von ihnen oft unter prekären Umständen arbeitet. Noch immer wird nicht an allen Schauspielschulen Arbeits- und Sozialrecht unterrichtet. Wir fordern diesen Unterricht ausnahmslos an alle Schulen mit Öffentlichkeitsrecht ein und an solchen, die ihre Schüler/innen zur Paritätischen Prüfungskommission entsenden. Zudem fordern wir zur Wahrung der Unterrichtsqualität eine regelmäßige Entsendung von Mitgliedern der Prüfungskommission an die Schulen.

 

Der Berufstitel Schauspieler_in

Die Arbeit in der darstellenden Kunst versteht sich wie in anderen Künsten auch als Kunstarbeit mit körperlichen und geistigen Fähigkeiten gepaart mit einer gehörigen Portion an Empathie und Leidenschaft. Talent ist nur eine Voraussetzung. Oft verstehen sich Kolleg_innen als Kunstarbeiter_innen oder sprechen von sich als Handwerker_innen. Um im Handwerksberuf zu bestehen, besuchen Menschen zuerst eine Lehre, werden Gesellen und schließlich erhalten sie einen Meisterbrief. Im Schauspielberuf verhält sich das ähnlich. Regulärer Weise besucht man eine Schauspielschule, absolviert Kontrollprüfungen und erwirbt schließlich die Bühnenreife, um Schauspieler_in zu sein. Es sollte sich nicht jede/r, die / der in einigen Theaterproduktionen oder Filmen mitgewirkt hat, als Schauspieler_in bezeichnen dürfen. Schauspieler_in ist keine Freizeit- oder Ehrenbezeichnung sondern ein Berufstitel. Der Unterschied zwischen „Schauspieler_in“ mit paritätischer Bühnenreife oder langjähriger Berufserfahrung und Amateuren bzw. Darsteller_innen ohne nachweisliche berufliche Qualifikation sollte sich außerdem im Gagenbereich wiederfinden.

 

Anwartschaft auf Arbeitslosengeld

Wie seit Jahrzehnten bekannt doch bisher ignoriert ist eines der Hauptprobleme beim Versicherungsschutz von Künstler_innen der Erwerb von Versicherungszeiten. Engagements gehen nicht nahtlos ineinander über, die Arbeitszeit von Zusatzleistungen wird nicht anerkannt, weil sie schwer zu bemessen ist, Zusatzleistungen finden oft nicht am Theater bzw. an der direkten Arbeitsstätte statt sondern außerhalb oder im privaten Umfeld und in Zeiten, während Künstler_innen nicht offiziell vertragsgebunden sind. Andererseits erwerben Künstler_innen in kurzer Zeit oft relativ hohe Gagen und zahlen dafür hohe SV-Abgaben.
Wenn man Kunst daher neu denken möchte, darf eine ernsthafte Auseinandersetzung darüber, wie gerade bei Künstler_innen Versicherungsgerechtigkeit hergestellt werden kann, nicht ausbleiben. Es muss möglich sein, berufsbedingte Zusatzleistungen an SV-Zeiten anzurechnen (wie der kommende KV-Filmschauspiel es vorsieht) und ein Erwerb von Anwartschaft auf Arbeitslosengeld durch hohe Beitragsleistungen während kurzer Beschäftigungszeiten.

 

Ausbau des Team 4 Künstler_innenservice des AMS

Erforderlich sind berufsadäquate Aufnahmebestimmungen, Weiterbildungsmöglichkeiten und Ziel führende Regulierungen zum zeitlich unbegrenzten Verbleib. Daher fordern wir seit vielen Jahren eine Anpassung der Betreuungsrichtlinien des AMS Team 4 Künstler_innenservice für arbeitslose Künstler_innen.
Derzeit können vom Team 4 nur Künstler/innen in Wien betreut werden. Wir fordern seit Jahren österreichweite Betreuung!
Professionelle Künstler_innen sind ihr eigenes Instrument, das ständiger Wartung bedarf. Deshalb fordern wir eine andere Form von Berufsschutz, als er heute am AMS existiert.

 

Beibehaltung der Notstandshilfe

Die Notstandshilfe ist ein langjähriges Erfolgsmodell des ALVG und wird aus den Mitteln der Arbeitslosenversicherung finanziert. NH-Empfänger/innen bleiben im Gegensatz zu Mindestsicherungsbezieher/innen (außer pensionsversichert) voll versichert. Gerade dieser Umstand hat bisher zehntausenden atypisch Beschäftigten geholfen, nicht ins Prekariat abzurutschen. Sollten diese künftig nur noch mindestgesichert werden, würde man nicht nur auf ihre letzten Privatreserven zugreifen, sie wären auch nicht mehr arbeitslosen- und schon gar nicht pensionsversichert. Die dadurch zusätzlich anfallenden Aufwendungen für Mindestsicherung und daraus folgenden Mindestpensionen plus Ausgleichszulagen werden zudem nicht aus SV-Beiträgen sondern aus Steuermitteln finanziert, wodurch eine dauerhafte wesentliche Mehrbelastung der Steuerzahler entsteht, welche etwa durch SV-Beitrags-Entlastungspolitik nicht zu rechtfertigen ist! Auch fordern wir zur vollständigen Absicherung von Künstler_innen die Wiedereinführung der Pensionsversicherung in die NH.

 

Steuererleichterungen, Absetzbarkeit

Der Shutdown hat gezeigt, dass Kunst und Kultur ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor ist, der an die Wertschöpfung der Landwirtschaft oder der Automobilindustrie heranreicht. Fällt der Kulturtourismus weg, leiden folglich auch andere Branchen wie Gaststätten, die Hotellerie und Reisebranche. Es gibt Länder, welche ihre Künstler auf eine Weise schätzen, sodass diese keine Steuern zu entrichten haben. Es ist an der Zeit anzuerkennen, dass das Kunstschaffen in Österreich dem Staat international weltweit großes Ansehen gebracht hat und bringt, was sich auch wirtschaftlich für die Künstler_innen zu Buche schlagen darf. Wir schlagen vor, über eine allgemeine Künstler_innensteuer zu sprechen, wie es etwa bei der Mehrwertsteuer der Fall war. Außerdem muss anerkannt werden, dass Schauspieler_innen genauso die Absetzbarkeit von Arbeitsräumen benötigen wie Sänger_innen oder Musiker_innen.

 

Das wöchentliche Theaterstück im ORF

ORF-Gebühren sind zur Erhaltung eines von der Marktwirtschaft unabhängigen ORF erforderlich. Im Gegenzug dazu ist der ORF bemüht, den ihm von der öffentlichen Hand auferlegten Bildungsauftrag zu erfüllen. Wir fordern das wöchentliche Theaterstück aus dem Bundestheater-, Wiener Bühnen-, Länderbühnen- und freien Theaterbereich auf ORF III. Dabei ist auf eine Ausgewogenheit zwischen Großbühnen und Freien Theatern zu achten, idealerweise in einem Verhältnis, das mit der Sektion Bühne der YOUNION abgesprochen wird. Klassische Musik hat ihren Platz auf ORF III. Aber es kann nicht sein, dass Neue Musik und der gesamte Sprechtheaterbereich auf ORF III nahezu ausgeklammert und vor allem die große Gruppe der Sprechtheaterkultur weiterhin vom ORF übersehen wird. Generell fordern wir die Einbindung aller Kunstsparten in den Bildungsbereich. Die tägliche Verfügbarkeit des Theaters in der unmittelbaren Umgebung muss für die österreichische Bevölkerung medial ins Bewusstsein gerückt werden!

 

Kunstarbeit ist Bildungsarbeit

Menschen, die sich von Kindheit oder Jugend an künstlerisch betätigen, ein Musikinstrument erlernen oder sich mit Tanz, Gesang, Literatur oder Malerei beschäftigen, heben nachweislich das Intelligenzniveau. Fließend lesen, schreiben und rechnen zu lernen ist eine selbstverständliche Notwendigkeit; zur Menschwerdung gehört aber auch die regelmäßige Auseinandersetzung mit den Künsten. Eine kulturell anspruchsvolle Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Talente ihre Kinder in jeder Hinsicht fördert. Wir fordern die generelle Einbindung aller Kunstsparten in den Bildungsbereich ein.

 

Anmerkung:

Die hier aufgezeigten Gedanken sind meine eigenen. Ich bin FG-Vorsitzender „Frei berufliche Schauspieler_innen und Sprecher_innen“ in der Sektion Bühne, HG VIII, YOUNION. Die meisten meiner Forderungen decken sich mit denen der Gewerkschaft, einige wenige davon stehen zur Diskussion.

Die AK bietet arbeits- und vertragsrechtliche Unterstützung für ihre Mitglieder an und die Gewerkschaft für ihre Mitglieder Rechtsberatung.
https://wien.arbeiterkammer.at/kontakt 
https://www.younion.at/cms/C01/C01_5.2.8/das-sind-wir/wiener-hauptgruppen/hauptgruppe-viii?d=Touch 
Auch die IG Freie Theaterarbeit bietet lobenswerter Weise für Mitglieder (und Nichtmitglieder gegen Kostenbeitrag) kompetente arbeits- und vertragsrechtliche Unterstützung an:
https://freietheater.at/covid-19-help/help/ 

 

Wien, 21. Mai 2020,

Erwin Leder

 

 

 

 

Corona – Soforthilfe für frei berufliche Künstler_innen und Kunstschaffende

 

Ich halte die Aufstockung beim KSVF, durch die Krise arbeitslos gewordene Künstler_innen und Kunstschaffende jetzt mit bis jeweils € 1000.- zu unterstützen, nicht für förderlich, weil

1) nicht alle Künstler_innen, auch Professionist_innen, beim KSVF als solche anerkannt werden, wenn sie sich nicht dort zuvor angemeldet haben, und die Kurie sie nicht als Künstler_innen eingestuft hat.

2) Zu beachten ist die zu differenzierende Beschäftigungssituationen der jeweiligen Künstler_innen und Kunstschaffenden sowie deren wirtschaftliche und familiäre Situationen für die Dauer der Nichtbeschäftigungsmöglichkeit, welche durch die Verordnungen der Regierung ausgelöst wurde.

3) Die Absicherung von Künstler_innnen und Kunstschaffenden muss daher ab dem Datum des Shutdowns monatlich zustehen; das gilt auch für den Härtefall-Fond. Sie muss staatlich gestützt sein, jedenfalls für alle, welche eine offizielle Berufsbefähigung (paritätische Bühnenreife etc., Abschlusszeugnis) nachweisen können, auch wenn sie bisher nicht vom KSVF als Künstler_innen anerkannt wurden. Das muss zugleich für alle nachweislich im Kunst- und Kulturbereich Tätigen gelten, die unverschuldet seit dem Shutdown kein Einkommen erzielen konnten.

4) Die Absicherung darf zudem nicht mit Mindestsicherung (Sozialhilfe) verwechselt werden. Weil die Künstler_innen durch den Shutdown der Krise – ob Engagement oder nicht – unverschuldet in ihre Lage geraten sind, darf keinesfalls Zugriff auf Privatvermögen durch die öffentliche Hand gewährt werden, und es muss voller Versicherungsschutz bestehen.

5) Außerdem stellen € 1000.- eine Pauschalsumme dar, welche der individuellen Lage der einzelnen Künstler_innen und Kunstschaffenden nicht entspricht. Zudem liegt diese Summe deutlich unter der Armutsgrenze lt. Armutskonferenz. Ich halte die Armutsgrenze (€ 1275.-) zur Absicherung von Kunstschaffenden als unterstes Niveau deshalb für Ausschlag gebend, weil sie durch die Verordnungen der Regierung während der Krise unverschuldet in ihre Lage gekommen sind, ob sie nun vor der Krise oder bis heute kein neues Engagement bekommen konnten. Zu alledem noch Armut zu verordnen ist unwürdig. Wir fühlen uns nicht als Bittsteller sondern als arbeitende Menschen mit Anspruch auf Ersatzleistung, die uns auch zu leben ermöglicht.

http://www.armutskonferenz.at/armut-in-oesterreich/aktuelle-armuts-und-verteilungszahlen.html 

 

Forderung:

Corona-Soforthilfe für Künstler_innen und Kunstschaffende nicht unter der Armutsgrenze!

 

Die ohnehin skandalös gering eingestuften Auszahlungen des Covid-19-Fonds beim Künstlersozialversicherungsfonds und Härtefall-Fonds bei der WKÖ gehen äußerst schleppend voran. Unzählige Kunstschaffende können inzwischen ihre Lebenserhaltungskosten nicht mehr decken. Inzwischen ist die Antragstellung für Phase 2 beim Covid-19-Fonds wegen Bearbeitung gar nicht möglich.

https://www.ksvf.at/covid-19.html

https://www.wko.at/service/haertefall-fonds-phase-2.html

 

Forderung:

Sofortige Herstellung einer unbürokratischen Auszahlung aus dem Covid-19-Fonds und Härtefall-Fonds – es ist höchste Zeit!

 

Künstler_innen mit Verträgen, welche bis 15. Mai 2020 abgeschlossen wurde, deren Erfüllung wegen der Coronakrise jedoch nicht zustande kam, erhalten jeweils Abstandszahlungen von 80% der zugesicherten Gage. Die Versicherungsart richtet sich nach dem Vertrag. Diese Gagen werden (etwa bei entfallenen Sommerspielen) aus jenen Förderungen / Subventionen geleistet, welche bereits zugesagt wurden. Die Künstler_innen werden je nach Vertragsart versichert.

 

Sollten Förderungen nicht ausgezahlt oder „eingefroren“ worden sein, wie es im Filmwesen verbreitet der Fall ist, hat der Arbeitgeber dennoch diese Kosten zu tragen. –  Hierbei ergab sich das Problem, dass viele Künstler_innen hätten klagen können bzw. müssen, aber nicht geklagt wurde aus Angst, künftig nicht mehr angefragt zu werden und so künftige Engagements zu verlieren. Also sollte/n hier fairer Weise der/die Fördergeber einspringen und Firmen, die nicht auszahlen können, weil sie sonst selbst vor dem Bankrott stünden, unter die Arme greifen und die zugesagten Förderbeträge in der benötigten Höhe unbürokratisch auszahlen.

 

Denjenigen, welche Anspruch auf ALG haben, steht dieses zu, ebenso NH; mindestens aber die Armutsgrenze wegen unverschuldeten Corona –  Verdienstentganges (einen allfälligen Ausgleich auf die Armutsgrenze wie auch dessen  SV-kosten hat der Bund zu tragen). Besteht ein Anspruch auf eine oder mehrere Abstandszahlung/en aus einem Vertrag / Verträgen, sollte die Höhe des ALG diese Ansprüche betreffend nach den gesetzl. Vorgaben bemessen werden können.

 

Wo aber bis zum durch die Krise ausgelösten Shutdown kein Vertrag bestand, sollte das letzte Geschäftsjahr ab Datum des Shutdowns, wenn dieses Geschäftsjahr unterdurchschnittlich schwach war, die letzten beiden Jahre zur Bemessung einer monatlichen Unterstützung herangezogen werden. Auch hier wäre bei nicht erreichen der Armutsgrenze der höhere Betrag förderwürdig.

Der Einfachheit halber sollten die Künstler_innen bei Corona-Soforthilfe nach der gesamtmehrheitlichen Vertragslage versicherbar sein. Die Mehrheit ergibt sich derzeit wahrscheinlich aus den Beschäftigungszeiten, was ich aber in Anbetracht folgender praktischer Überlegung nicht als gerecht empfinde:

erfahrungsgemäß beziehen Künstler_innen oft in sehr kurzer Zeit, etwa bei Dreharbeiten, große Einkünfte und bezahlen überdurchschnittlich viel SV als unselbständig Beschäftigte. Dahingegen haben viele Künstler_innen zugleich weniger Einkünfte in längeren Beschäftigungszeiträumen etwa am Theater, wenn sie als Neue Selbständige arbeiten, und zahlen in großen Zeiträumen wenig SV-Beiträge. Also sollte ihnen gerechter Weise diejenige Art von SV zustehen, für welche sie insgesamt mehr eingezahlt, also geleistet hatten, und diese Versicherungszeiten sollten dann auch an die Arbeitslosengeld- und Pensionsanwartschaft angerechnet werden.

 

*          Ausgerechnet in den unsicheren und verunsichernden Zeiten der Coronakrise sollen Kunst und Kultur hinter allen anderen systemerhaltenden gesellschaftlichen Versorgungsnotwendigkeiten zurückstehen. Das führt geradewegs in eine noch größere Krise als die bestehende. Einerseits, indem es die Kunst-, Kultur- und Sportwelt und ihre Mitwirkenden und angrenzenden Bereiche betrifft, andererseits, indem die gesamte österreichische Bevölkerung davon betroffen ist.

Corona hat uns gezeigt, dass wir als Kunst- und Kulturschaffende aller Bereiche eine verlässliche ständige Vertretung mit Budget-Hoheit in Österreich brauchen. Die sofortige Gründung eines MINISTERIUMs FÜR KUNST UND KULTUR wäre daher die effektivste Lösung. Zumindest aber fordere ich gemeinsam mit der Gewerkschaft und der Achse Kunst, Kultur & Sport die UMGEHENDE EINLEITUNG INTER-MINISTERIELLER VERHANDLUNGSGRUPPEN mit den Sozialpartnern, Interessengemeinschaften und Verbänden!

 

Gemeinsam mit der „Achse Kunst, Kultur & Sport“ fordere ich deshalb:

1) Garantiertes Mindesteinkommen von € 1.286,- netto 12x im Jahr (Armutsgefährdungsgrenze) für EPU und Neue Selbständige, äquivalente Garantien für alle unselbständig im Kunst-, Kultur- und Sportbereich Beschäftigten.

2) Kompensation aller Einnahmenausfälle ab 13. März 2020.

3) Maximale Öffnung des WKÖ-Härtefallfonds und des KSVF-Notfallfonds Covid 19 und des Coronahilfsfonds.

4) Dauerhafte Reduktion des erhöhten Umsatzsteuersatzes auf 5%.

5) Sofortige und dauerhafte Verdoppelung des Budgets für Kunst, Kultur und Sport 2021/2022 des Bundes und der Länder auf insgesamt 1 % des BIP jährlich.

6) Ausfallshaftungsfonds für Veranstalter.

7) Liquiditätsversicherung für EPU und Neue Selbständige.

8) Finanzierung einer Kampagne „Keine Angst“.

9) Fixer Fahrplan zum Abbau aller Beschränkungen.

10) Verbindliche Klärung der Haftungsfragen.

 

Anmerkung:

Die hier aufgezeigten Gedanken sind meine eigenen. Ich bin FG-Vorsitzender „Frei berufliche Schauspieler_innen und Sprecher_innen“ in der Sektion Bühne, HG VIII, YOUNION. Die meisten meiner Forderungen decken sich mit denen der Gewerkschaft, einige wenige davon stehen zur Diskussion.

 

Die AK bietet arbeits- und vertragsrechtliche Unterstützung für ihre Mitglieder an und die Gewerkschaft für ihre Mitglieder Rechtsberatung.

https://wien.arbeiterkammer.at/kontakt

https://www.younion.at/cms/C01/C01_5.2.8/das-sind-wir/wiener-hauptgruppen/hauptgruppe-viii?d=Touch

Auch die IG Freie Theaterarbeit bietet lobenswerter Weise für Mitglieder (und Nichtmitglieder gegen Kostenbeitrag) kompetente arbeits- und vertragsrechtliche Unterstützung an:

https://freietheater.at/covid-19-help/help/

 

Wien, 27. Mai 2020

 

Erwin Leder

 

 

 

 

 

 

 

Schweren Herzens müssen wir die 48. Nestroy-Spiele Schwechat auf Grund der aktuellen Corona-Verordnungen sowie völlig ungewisser Prognosen für die Situation im Juli und August für heuer absagen.

Eine organisatorisch und künstlerisch seriöse Vorbereitung ist derzeit nicht möglich, eine gesundheitlich und wirtschaftlich vertretbare Lösung für Aufführungen vor Publikum nicht in Sicht.

Aus ähnlichen Gründen werden auch die 46. Internationalen Nestroy-Gespräche auf unbestimmte Zeit verschoben.

 

"Wer kann bei der jetzigen Krisis in Europa sagen: ,Ich war nicht dabei.´ ?

Drum schenken wir denen, die’s getroffen, die mitleidsvollste Teilnahme, und

danken wir Gott, dass sie uns grad zufällig nicht herausg´nommen haben."

(Der Alte Mann mit der jungen Frau 1/15)

 

 

48. Nestroy-Spiele Schwechat

DER ALTE MANN, DIE JUNGE FRAU UND DAS VIRUS

 

DER ALTE MANN MIT DER JUNGEN FRAU, jenes geheimnisvolle, brisante Stück, das Nestroy selbst für sein gelungenstes hielt, das aber dennoch zu seinen Lebzeiten nie zur Aufführung kam, wird auch diesmal, über 170 Jahre nach seiner Entstehung, nicht über die Bühne gehen können - jedenfalls nicht in diesem Sommer.

1849, als Adel und Militär das revolutionäre "Freiheits-Virus" gnadenlos bekämpften, verhinderte die politisch prekäre Lage die von den Wienern mit Spannung erwartete Uraufführung. Jetzt ist es der Kampf gegen das "Corona-Virus", der eine Rehabilitation dieses hochinteressanten Stückes bei den 48. Nestroy-Spielen unmöglich macht.

Schade - denn gerade mit diesem weithin unbekannten Text, in dem er sich nicht nur mit seiner privaten Lebenskrise, sondern auch mit den autoritären, rückwärtsgewandten gesellschaftlichen Entwicklungen nach dem Scheitern der Revolution auseinandersetzt, hat uns Nestroy einiges zu sagen. Zumindest seine Conclusio am Ende des Stücks ist angesichts dessen, was wir jetzt erleben, mehr als eine Überlegung wert. Vielleicht sollten auch wir die Krise zum Anlass nehmen, um aus verkarsteten, überholten Mustern und Strukturen auszusteigen und einen totalen Neuanfang zu riskieren.

Warten wir ab, was die nächsten Monate bringen. Womöglich wird uns DER ALTE MANN in Zukunft aktueller erscheinen denn je. 

Dennoch sei jetzt schon angekündigt, dass, wenn möglich, ein kleines "Kulturwiederauferstehungsfest" am 12. u/o 13. September 2020 in der Rothmühle geplant ist. 

Danke für Ihr Wohlwollen und Ihr Verständnis. Wir freuen uns auf ein maskenloses Wiedersehen. Bis dahin alles Gute und bleiben Sie gesund!

Ihr Nestroy-Ensemble Schwechat

 

 

Internationales Nestroy-Zentrum Schwechat
Ehrenbrunngasse 24, A 2320 Schwechat
Telefon +43 699 116 06345
E-Mail This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.
Künstlerische Leitung Peter Gruber
Organisation Christine Bauer

https://www.nestroy.at/neu/2019/12/04/48-nestroy-spiele-2020/

 

 

 

 

         

 

Diese Aufführung musste wegen des CORONA - SHUT-DOWNs auf VORAUSSICHTLICH SEPTEMBER 2020 verschoben werden. 

Ich freue mich auf Ihren Besuch! 

Bis dahin alles Gute, bleiben Sie gesund!